{"id":880,"date":"2020-05-29T15:03:32","date_gmt":"2020-05-29T13:03:32","guid":{"rendered":"http:\/\/leib-bindung-identitaet.org\/?p=880"},"modified":"2020-05-29T15:27:22","modified_gmt":"2020-05-29T13:27:22","slug":"880-2","status":"publish","type":"post","link":"http:\/\/leib-bindung-identitaet.org\/en\/880-2\/","title":{"rendered":"Erkl\u00e4rung und Stellungnahme zu einem Artikel vom 27. Mai 2020 in Der Standard:"},"content":{"rendered":"<p><\/p>\n<h2>\u201eHomofeindlichkeit &#8211; Christliche Sexualp\u00e4dagogik und ihre Netzwerke\u201c<\/h2>\n<h2>von Brigitte Thei\u00dfl, Beate Hausbichler<\/h2>\n<p>Der Artikel im \u00d6sterreichischen Der Standard (27. Mai 2020) von Brigitte Thei\u00dfl und Beate Hausbichler spricht von katholischen Netzwerken im Bereich christlicher Sexualp\u00e4dagogik und suggeriert einen Zusammenhang zwischen dem \u201eInstitut f\u00fcr Religiosit\u00e4t in Psychiatrie und Psychotherapie\u201c und dem Studiengang \u201eLeib &#8211; Bindung &#8211; Identit\u00e4t\u201c, der an der Hochschule Heiligenkreuz durchgef\u00fchrt wird. Zudem wird diesem Netzwerk durchg\u00e4ngig Homophobie unterstellt, was in Zusammenhang gebracht wird mit dem Namen Markus Hoffmann und seinem \u201eInstitut f\u00fcr dialogische und identit\u00e4tsstiftende Seelsorge und Beratung\u201c. So berichtet der Artikel, dass der Studiengang mit entwickelt wurde von Markus Hoffmann und dem Institut idisb e.V., das \u201emassiver Kritik durch LGBT-Organisationen ausgesetzt\u201c war, \u201eda die Gruppe Homosexualit\u00e4t als \u201adurch Therapie ver\u00e4nderbar\u2018 definiert.<\/p>\n<p><strong>Richtigstellung:<\/strong><\/p>\n<ol>\n<li style=\"margin-bottom: 10px;\">Es besteht kein Zusammenhang zwischen dem RPP-Institut von Raphael Bonelli und dem Studiengang \u201eLeib &#8211; Bindung &#8211; Identit\u00e4t\u201c. Es gab in der Vergangenheit keinen Kontakt zwischen den Instituten und es ist in Zukunft kein solcher geplant. Der hergestellte Zusammenhang ist willk\u00fcrlich und ist geeignet, eine durch die Journalisten selbst hergestellte Verschw\u00f6rungstheorie zu festigen.<\/li>\n<li style=\"margin-bottom: 10px;\">Es ist richtig, was Raphael Bonelli in seinem Kommentar zum Artikel auf YouTube sagt: Markus Hoffmann hat ein Paper f\u00fcr die besagte Konferenz in Graz eingereicht. Nach Protesten hat er aber freiwillig zur\u00fcckgezogen, da eine offene, faire Diskussion \u00fcber die in der Arbeit von Hoffmann gewonnenen Beobachtungen und Erkenntnisse nicht mehr im Rahmen eines vom wissenschaftlichem Respekt getragenen Diskurses m\u00f6glich war.<\/li>\n<li style=\"margin-bottom: 10px;\">Es ist richtig, dass Markus Hoffmann und sein Institut aufgrund des Themas \u201eVer\u00e4nderung von Homosexualit\u00e4t\u201c und \u201eTherapie\u201c massiven Anfeindungen der LGBT Bewegung ausgesetzt waren. Uns freut jedoch, dass hier die Vergangenheitsform gew\u00e4hlt wurde. Denn nachdem sich das Institut von Markus Hoffmann mit einem eigenen Gesetzentwurf f\u00fcr das Verbot von Konversionstherapien in Deutschland eingesetzt hat und seit Jahren erkl\u00e4rt, dass im Institut keine Konversionsbehandlungen durchgef\u00fchrt werden, muss die Kritik der Vergangenheit angeh\u00f6ren.<\/li>\n<li>Bei genauerer Recherche der Journalistinnen des Standards und in einem direkten Gespr\u00e4ch mit dem idisb e.V. und Markus Hoffmann, h\u00e4tte in Erfahrung gebracht werden k\u00f6nnen, welchen Weg die Auseinandersetzung mit den Themen \u201eHomosexualit\u00e4t\u201c, besser \u201eHomosexualit\u00e4ten\u201c, und \u201esexuellen Orientierungen\u201c in den letzten 20 Jahren beim IdiSB e.V. genommen hat.<\/li>\n<\/ol>\n<p>So ist auf der Homepage des Instituts zu lesen, dass man als Selbsthilfegruppe begonnen hat, und dass diese Gruppe sich als Reaktion auf Konversionsbehandlungen gr\u00fcndete, die die Mitglieder der Gruppe selbst erlitten hatten. Gleichzeitig war man aber suchend, denn einige Mitglieder waren mit einer nicht manifesten Form der sexuellen Orientierung konfrontiert. Da hatte sich die Frage gestellt, ob in der erlebten Fluidit\u00e4t eigener Orientierung nicht Konflikte und Fragen verborgen sind, weshalb sich einmal \u201ehomosexuelles Begehren\u201c und ein anderes mal \u201eheterosexuelles Begehren\u201c durchsetzt. &#8211; Es wird dann aber auch nicht bestritten, dass als sich in dieser Gruppe eine Neuausrichtung der sexuellen Orientierung einstellte, man einige Zeit euphorisch von Ver\u00e4nderung sprach.<\/p>\n<p>Dieser Ver\u00e4nderungsoptimismus wurde aber sp\u00e4testens im Zuge zunehmender Professionalisierung abgelegt, als man feststellte, dass es Menschen gibt, bei denen eine bestimmte sexuelle Orientierung manifest ist, auch wenn es Menschen gibt, bei denen sie sich fluide zeigt.<\/p>\n<p>Das Institut will nach allen Entwicklungen, Infragestellungen, kritischen Reflexionen, etc., heute ausschlie\u00dflich ein Ort sein, f\u00fcr Menschen, die ihre Sexualit\u00e4t aus welchen Gr\u00fcnden auch immer, konflikthaft erleben. Das Institut wendet sich bewusst diesen Menschen zu, da sie in den offiziellen Diskussionen um sexuelle Orientierungen ausgeklammert werden. Dabei konzentriert sich die Arbeit des Instituts ausschlie\u00dflich auf die Not, die Menschen formulieren und hat keine missionarischen oder ideologischen Interessen. Die Forderung, die das Institut stellt, ist allein, dass Menschen, die ihre Sexualit\u00e4t konflikthaft empfinden, geh\u00f6rt werden, dass sie auf der Ebene von Wissenschaft, therapeutischer und beraterischer Praxis geh\u00f6rt werden und dass ihr Dilemma genauso ernst genommen wird, wie das von Menschen, die ihre sexuelle Orientierung in einer rechtlich verankerten Partnerschaft verwirklichen wollen.<\/p>\n<p>Das Institut begleitet in der Konsequenz heute nur Menschen, die ihre Sexualit\u00e4t konflikthaft erleben. Dabei interessiert nicht, wie Ratsuchende ihre sexuelle Orientierung leben. Es interessiert im Kontext von Beratung nur, ob eine Person einen Konflikt empfindet, den man in einer ergebnisoffenen Beratung begleiten kann. &#8211; Dass das Institut auch Menschen ergebnisoffen begleitet, die ihre Homosexualit\u00e4t leben, ist auch durch betroffene Menschen auf der Homepage des Instituts inzwischen bezeugt <a href=\"#_ftn1\" name=\"_ftnref1\">[1]<\/a>.<\/p>\n<ol start=\"5\">\n<li>Die Suche nach einem Verstehen von Sexualit\u00e4t zeichnet das Institut bis heute aus. H\u00e4tten sich die Journalistinnen unvoreingenommen und selbst ergebnisoffen einem Gespr\u00e4ch mit dem Institut gestellt, w\u00e4ren sie dort auf ein umfassendes Erfahrungs- und Theoriewissen gesto\u00dfen, in dem alle Ans\u00e4tze &#8211; auch die von der LGBT Bewegung &#8211; auf der Ebene wissenschaftlicher Relevanz beleuchtet werden. Sie w\u00e4ren auf Menschen gesto\u00dfen, die sich von der wissenschaftlichen Forschung st\u00e4ndig neu konfrontieren lassen, die sich in Frage stellen lassen, die sich korrigieren, die dazu lernen, wie es einem wirklich wissenschaftlich denkenden und arbeitenden Menschen entspricht.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Und sie w\u00e4ren auf Menschen getroffen, die hinter die Ergebnisoffenheit ihre eigene \u00dcberzeugung, ihre eigene Lebensgeschichte, ihre eigene Weltanschauung, weit zur\u00fccktreten lassen. Denn der Ethos des Instituts ist, dass jeder Mensch seinen Standpunkt in Bezug auf den Entwurf eigener Sexualit\u00e4t finden muss, was er aber nur kann, wenn er die Gelegenheit hat, sich der widerspr\u00fcchlichen, komplexen Natur von Sexualit\u00e4t und Geschlechtlichkeit stellen zu d\u00fcrfen.<\/p>\n<p>\u201eHomophobie\u201c ist daher kein Stichwort, unter dem die Arbeit des Instituts idisb e.V. zusammengefasst werden kann. Denn die oben beschriebene Konfrontation ist nur m\u00f6glich, wenn man sich einer innewohnenden \u201eHomophobie\u201c ebenso stellt, wie einer heute salonf\u00e4hig gewordenen \u201eHeterophobie\u201c.<\/p>\n<ol start=\"6\">\n<li>Es ist richtig, dass das Institut idisb e.V. sich in die Entwicklung des Studienlehrgangs \u201eLeib &#8211; Bindung &#8211; Identit\u00e4t\u201c eingebracht hat. Das Institut arbeitet dort zusammen mit unterschiedlichen Fachwissenschaftlern aus dem Bereich Entwicklungspsychologie, Sexualwissenschaft, Soziologie, Bildungswissenschaft und P\u00e4dagogik, Philosophie und Theologie. Das Institut ist dabei eine Stimme unter anderen und stellt sich dem wissenschaftlichen Diskurs.<\/li>\n<\/ol>\n<p>Ein Kennenlernen des Ansatzes, wie er im Studienlehrgang \u201eLeib \u2013 Bindung \u2013 Identit\u00e4t\u201c entwickelt wird, h\u00e4tte den Journalistinnen gezeigt, dass im Curriculum des Studiengangs nicht nur alle g\u00e4ngigen Geschlechts- und Sexualtheorien gelehrt und diskutiert werden, sondern dass Sexualit\u00e4t und Geschlechtlichkeit zugleich in neuen Kontexten quer gedacht werden.<\/p>\n<p>So besch\u00e4ftigt sich der Studiengang unter Anwendung unterschiedlicher Disziplinen und im Diskurs von differierenden Theorien, mit der Frage, wie der Mensch die Ankunft im eigenen Leib bew\u00e4ltigt, mit der gleichzeitig, und unter dem Akzent der Sexualit\u00e4t, eine Hinordnung auf das Soziale verbunden ist? Wie kann sich der Mensch in Offenheit und Freiheit diesem Prozess stellen? Wie kann er \u2013 bottom up &#8211; zu einer selbstbehauptenden Sexualit\u00e4t und Geschlechtlichkeit einerseits finden und Stellung beziehen, zu Theorien, die \u2013 heute oft top down &#8211; seine Geschlechtlichkeit und Sexualit\u00e4t definieren wollen? Wie kann er Freiheit im eigentlichen Sinn verwirklichen, zwischen dem scheinbar \u201eevolution\u00e4ren Beiwerk\u201c seines Geschlechtsleibes und dem Wunsch nach der freien Aushandlung von Identit\u00e4t?<\/p>\n<p>Ziel des Studiengangs ist daher nicht die Durchsetzung einer bestimmten Sicht auf Sexualit\u00e4t und Geschlechtlichkeit, sondern die Verwirklichung eines didaktisch-methodischen Ansatzes, der dem Lernenden alle m\u00f6glichen wissenschaftlichen Inhalte zu verschiedenen Themen zum Selbstumgang \u00fcbergibt. Es werden in Bezug auf die Inhalte daher streng wissenschaftliche Kriterien angelegt, was heisst, dass nicht Meinungen oder ideologisch verk\u00fcrzte Ans\u00e4tze vermittelt werden, sondern das, was seri\u00f6s \u00fcber einen Gegenstand gesagt werden kann.<\/p>\n<p>Da Sexualit\u00e4t und Weltanschauung schon im Vollzug menschlicher Sexualit\u00e4t schwer zu trennen sind, werden dem Lernenden verschiedene weltanschauliche Konzepte von Sexualit\u00e4t vorgestellt, zu denen er seine eigene Stellung erarbeiten muss. Nur das selbsterarbeitete, im Kontext unterschiedlicher Theorien diskursiv erworbene Wissen kann zu einer selbstbehaupteten Sexualit\u00e4t f\u00fchren, die f\u00fcr den jungen Menschen, der durch die Sexualp\u00e4dagogik haupts\u00e4chlich angesprochen wird, zukunftsweisend ist.<\/p>\n<p>Das Institut und die Gruppe, die seit Jahren in aufwendiger Arbeit den Studiengang \u201eLeib &#8211; Bindung &#8211; Identit\u00e4t\u201c entwickelt hat, l\u00e4dt die Journalistinnen gerne zu einer Fachdiskussion ein. Eine solche Diskussion kann aber nur gelingen, wenn man nicht bereits vorher irgendwelche Vorstellungen auf den Gespr\u00e4chspartner projiziert, sondern die Bereitschaft zum H\u00f6ren mitbringt.<\/p>\n<p>Ebenso braucht man Zeit, denn die im Studienlehrgang \u201eLeib \u2013 Bindung \u2013 Identit\u00e4t\u201c vertretene Sexualp\u00e4dagogik kann nicht auf einige wenige Begriffe und Etiketten reduziert verstanden werden. Daher sprechen wir hier die ausdr\u00fcckliche Einladung zum ernstgemeinten Dialog aus.<\/p>\n<p>Gez. Markus Hoffmann, 28.5.2020<\/p>\n<p><em>Idisb e.V.<br \/>\n<\/em><em>Hauptstr. 72<br \/>\nD-71732 Tamm<\/em><\/p>\n<p><a href=\"#_ftnref1\" name=\"_ftn1\">[1]<\/a> <a href=\"https:\/\/www.idisb.de\/aktuell\/ergebnisoffenheit-zwei-ratsuchende,-die-homosexuell-leben,-berichten\/\" target=\"_blank\" rel=\"noopener noreferrer\">https:\/\/www.idisb.de\/aktuell\/ergebnisoffenheit-zwei-ratsuchende,-die-homosexuell-leben,-berichten\/<\/a><\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>\u201eHomofeindlichkeit &#8211; Christliche Sexualp\u00e4dagogik und ihre Netzwerke\u201c von Brigitte Thei\u00dfl, Beate Hausbichler Der Artikel im \u00d6sterreichischen Der Standard (27. 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